Sport als Investment: Volltreffer oder Euphorie-Pleite?
Interview mit Michael Heimrich, Direktor der TOP Vermögen AG und Fondsmanager des TOP Sport Global Equity Fonds
Michael Heimrich ist Direktor der TOP Vermögen AG am Standort München. Als Portfoliomanager des Sportfonds „TOP Sports Global Equity“ vereint er seit 2014 die Welt der Finanzen und des Sports und ist ein Experte im Thema „Sport als Wirtschaftsfaktor“
GFA: Herr Heimrich, in diesem Sommer stehen mit der Fußball-EM und den Olympischen Spielen wieder zwei sportliche Großereignisse an: Kann es sich daher jetzt lohnen in Aktien von Sportartikel-Herstellern zu investieren?
Heimrich: Die Sportbranche hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Das überproportionale Wachstum wird aber hauptsächlich durch die weltweite Zunahme der sportbezogenen Konsumausgaben angetrieben. Börsennotierte Sportartikelhersteller profitieren stärker von laufenden Trends, wie z.B. dem aktuellen Fitness-Boom, als von Großereignissen wie Olympia oder der Fußball-EM. Kleinere Unternehmen wiederum können von lukrativen Aufträgen für Großereignisse profitieren, aber dies bleibt oft ein Einmaleffekt.
Mit der Europameisterschaft im eigenen Land, gibt es in Deutschland neben den eigentlichen Sportunternehmen darüber hinaus noch viele andere Branchen, die sich einen positiven Effekt erhoffen. Dazu gehört zum Beispiel die Tourismus- und Reisebranche, Vermarkter von Werbeflächen oder Brauereien.
GFA: Großen Marken wie Adidas, Puma oder Nike unternehmen bei sportlichen Großevents sehr große Marketing-Investitionen. Wirkt sich das auch auf die Aktienwerte aus?
Heimrich: Der Kursverlauf großer Sportartikelhersteller hängt nicht unmittelbar von Großereignissen ab, sondern eher von der allgemeinen Börsentendenz. Seit 2000 gab es zwölf sportliche Großereignisse. Die Kurse von Nike z.B. sind in diesen Jahren achtmal gestiegen und viermal gefallen. Bei Adidas verhält es sich unentschieden mit sechs zu sechs.
Eine hohe Medienpräsenz kann sicherlich zu Umsatzsteigerungen führen, die horrenden Werbeinvestitionen dafür belasten aber auch den Gewinn. Der Sieg der Deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien bescherte Adidas Absatzrekorde. Insgesamt wurden mehr als drei Millionen DFB-Trikots verkauft und damit doppelt so viele, wie bei der Heim-WM 2006. Die Umsätze mit Fußballschuhen wiederum ging zurück. Hier haben die Herzogenauracher Marktanteile verloren. Der Aktienkurs des Unternehmens ist im selben Jahr sogar um mehr als 30 Prozent eingebrochen.
Die absolute Wertentwicklung der beiden großen Sportartikelhersteller liegt allerdings seit dem Jahr 2000 um ein Vielfaches höher als bei den großen Indizes.
GFA: Halten Sie es also für eine sinnvolle Anlagestrategie, ausschließlich in Aktien von Sportherstellern zu investieren?
Heimrich: Die Performance der großen Sporthersteller kann sich durchaus sehen lassen. Selbst in schwachen Börsenphasen sind sie nicht stärker gefallen als die Indizes und auch die hochgelobten Technologieunternehmen wie Apple, Alphabet oder Microsoft haben sich nicht besser entwickelt. Dennoch ist es nie ratsam sich nur auf eine Branche zu fokussieren. Wir empfehlen daher eine breitere Anlagestrategie, die aber Unternehmen, die direkt oder indirekt vom Sport profitieren, sicherlich berücksichtigen sollte.
GFA: Lohnt es sich, auch in Nischenmärkte wie den Fahrrad-Markt oder sportmedizinische Produkte zu investieren?
Heimrich: Auch, wenn die Big Player natürlich auch bei den Renditen „big“ sind, kann ein Blick in Nischenmärkte durchaus lohnend sein. Mit rund 42 Prozent die meisten aktiven Anhänger in Deutschland hat z.B. der Radsport, für den die Bundesbürger pro Jahr rund 11 Mrd. Euro ausgeben. Von diesem Trend profitieren neben dem japanischen Fahrrad-Komponenten-Hersteller Shimano Inc. auch Hersteller von hochwertiger Fahrradbekleidung, -schuhen, -helmen und Brillen.
Es gibt aber sehr viele Unternehmen, die nur indirekt mit aktivem Sport zu tun haben und dennoch vom wachsenden Interesse an Sport und Gesundheit profitieren: Nestle z.B. mit ihrer Wassersparte und den medizinischen Nahrungsmitteln oder Pharmaunternehmen wie Teva Pharmaceutical (mit ihrer Tochter ratiopharm) als Hersteller von Mineralien und Vitaminen sowie Arzneien gegen Erkältungen und Allergien. Aber auch die Hartmann Gruppe mit seinen Medizin- und Pflegeprodukten verdient an aktiven Sportlern. Weitere interessante Nischenbereiche des Sports sind die börsennotierten Sportwettenanbieter, der gesamte Bereich der Sportmedien und Ticketvermarkter sowie Unternehmen, die für den Sportstättenbau und die Infrastruktur zuständig sind.
GFA: Wie kann mein Depot denn nun konkret von diesen Unternehmen profitieren?
Heimrich: Neben den Aktien der Unternehmen, gibt es inzwischen einige Branchenfonds, die auf Sportprofiteure spezialisiert sind. Der TOP Sport Global Equity zum Beispiel deckt mit rund 50 Titeln ein breiteres Spektrum im Bereich Sport ab, darunter auch Ausrüstung, Entertainment, Nahrungsmittel, Medizin und Infrastruktur.
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