Private Krankenversicherung: Erst die Gesundheit, dann der Tarif
Interview mit Oliver Kenk, OK Versichert
Bei der privaten Krankenversicherung richtet sich der Blick häufig zuerst auf den monatlichen Beitrag. Doch ob ein Wechsel sinnvoll und überhaupt möglich ist, hängt von deutlich mehr Faktoren ab.
In unserem Börsenkrieger Finanzpodcast spricht Mathias Lebtig, Geschäftsführer der GFA FINANCIAL PLANNING mit Oliver Kenk. Er ist Unternehmer und Versicherungsmakler bei OK Versichert. Im Gespräch erläutert er, wie er eine Beratung zur privaten Krankenversicherung aufbaut und weshalb die Gesundheitsprüfung für ihn vor der Auswahl eines Tarifs steht.
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Der Unterschied zwischen einem Versicherungsmakler und einem Vertreter
Zu Beginn des Gesprächs erklärt Oliver Kenk den Unterschied zwischen einem Versicherungsmakler und einem Vertreter, der ausschließlich für eine Gesellschaft arbeitet.
Als Makler kann er nach eigener Darstellung die Angebote verschiedener Versicherer berücksichtigen. Das ist besonders bei der privaten Krankenversicherung relevant. Denn nicht jede Gesellschaft bewertet gesundheitliche Vorerkrankungen gleich. Auch bei den Leistungen und den möglichen Risikozuschlägen können Unterschiede bestehen.
Ein Vergleich sollte sich deshalb nicht allein auf den Beitrag beschränken.
PKV Wechsel: Die gesundheitliche Ausgangslage zuerst klären
Bevor Oliver Kenk mit einem Interessenten über konkrete Tarife spricht, werden die Gesundheitsangaben aufgenommen. Dazu gehören unter anderem Vorerkrankungen, frühere Behandlungen sowie weitere Angaben, die von den Versicherern abgefragt werden.
Diese Informationen werden nach Darstellung des Gastes anonymisiert an bis zu sechs Versicherungsgesellschaften übermittelt. Die Versicherer geben anschließend eine erste Einschätzung ab. Möglich sind eine reguläre Annahme, eine Annahme mit Risikozuschlag oder eine Ablehnung.
Dieser Ablauf soll verhindern, dass zunächst ein vermeintlich passender Tarif ausgewählt wird und sich später herausstellt, dass eine Aufnahme nicht oder nur zu deutlich veränderten Bedingungen möglich ist.
Das Alter ist dabei nicht das einzige Kriterium. Oliver Kenk betont, dass vor allem der Gesundheitszustand darüber entscheidet, welche Möglichkeiten bestehen. Gleichzeitig kann ein späterer Einstieg höhere Beiträge zur Folge haben, weil für den Aufbau von Alterungsrückstellungen weniger Zeit zur Verfügung steht.
Leistungen und langfristige Tragfähigkeit gehören zusammen
Die private Krankenversicherung bietet die Möglichkeit, den Leistungsumfang stärker an den eigenen Vorstellungen auszurichten. Im Gespräch nennt Oliver Kenk unter anderem die Behandlung im Krankenhaus, die Arztwahl sowie Leistungen im Zahn- und ambulanten Bereich.
Ein umfassender Tarif ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn er langfristig finanzierbar bleibt. Deshalb gehören auch die berufliche Situation, das Einkommen und die vorhandenen finanziellen Reserven in die Betrachtung.
Bei Angestellten beteiligt sich der Arbeitgeber innerhalb der geltenden Grenzen am Beitrag. Selbstständige tragen ihre Beiträge selbst und müssen mögliche Schwankungen ihres Einkommens berücksichtigen.
Oliver Kenk berichtet deshalb auch von Fällen, in denen er nicht zu einem sofortigen Wechsel rät. Wer gerade erst eine Selbstständigkeit begonnen hat und noch keine stabilen Einnahmen erzielt, sollte nach seiner Einschätzung zunächst prüfen, wie sich das Geschäft entwickelt.
Eine hohe Selbstbeteiligung ist nicht automatisch die bessere Lösung
Über die Selbstbeteiligung lässt sich der laufende Versicherungsbeitrag beeinflussen. Eine hohe Selbstbeteiligung bedeutet jedoch, dass im Krankheitsfall zusätzliche Ausgaben selbst getragen werden müssen.
Diese Belastung sollte nicht nur in einem guten Geschäftsjahr tragbar sein. Sie muss auch dann finanzierbar bleiben, wenn das Einkommen zurückgeht oder über einen längeren Zeitraum regelmäßig Behandlungen notwendig werden.
Oliver Kenk empfiehlt Selbstständigen daher keine beliebig hohe Selbstbeteiligung. Im Gespräch nennt er als häufige Größenordnung 500 bis 1.000 Euro. Bei Angestellten werden nach seiner Erfahrung häufiger Tarife ohne Selbstbeteiligung gewählt.
Ein weiterer Punkt sind Beitragsrückerstattungen. Je nach Tarif können Versicherte einen Teil ihrer Beiträge zurückerhalten, wenn sie in einem Jahr keine Rechnungen einreichen. Ob sich das lohnt, muss jeweils gegen die Höhe der entstandenen Behandlungskosten gerechnet werden.
Von GKV zu PKV: Eine Entscheidung mit langfristigen Folgen
Die private Krankenversicherung sollte weder als kurzfristige Sparmöglichkeit noch als pauschal bessere Versorgung dargestellt werden. Sie ist ein langfristiges Modell, dessen Eignung von der persönlichen Lebenssituation abhängt.
Gesundheitszustand, Alter, Einkommen, Familienplanung und gewünschte Leistungen müssen gemeinsam betrachtet werden. Der von Oliver Kenk beschriebene Beratungsprozess beginnt deshalb nicht mit einem Produkt, sondern mit der Frage, welche Möglichkeiten für die jeweilige Person tatsächlich bestehen.
Im Podcast erläutert er den Ablauf Schritt für Schritt und berichtet auch darüber, wann er Interessenten von einem unmittelbaren Wechsel abrät.
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Bei finanziellen Entscheidungen wirken Versicherungen, Altersvorsorge und Vermögensplanung häufig zusammen. GFA FINANCIAL PLANNING unterstützt Mandanten dabei, diese Bereiche im Gesamtzusammenhang zu betrachten. Ein persönliches Gespräch dient zunächst dazu, die eigene Ausgangslage und die offenen Fragen zu ordnen. Sprechen Sie uns gerne an.